Der Mensch ist ein Gewohnheitstier? Sie haben es in der Hand!

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Die Macht der Gewohnheit: Geben Sie sich mindestens 66 Tage

Ein Großteil unseres Verhaltens läuft unbewusst ab, wird gesteuert durch Gewohnheiten, Rituale und Routinen. Der Weg ins Büro ist immer derselbe, ebenso der erste Griff zum Kaffee. Es sind diese gefestigten Automatismen, die uns das Leben einerseits erleichtern, weil sie unseren Denkapparat nicht unnötig belasten. Sie können unseren Alltag aber auch schwer machen – vor allem, wenn wir inzwischen lästige Gewohnheiten ändern wollen. Wie es dennoch gelingt…

Was sind Gewohnheiten überhaupt?

Gewohnheiten – das sind Vorgänge und Verhaltensweisen, die in der Regel automatisch und unbewusst ablaufen. Neurowissenschaftler verorten unsere Gewohnheiten heute im Kern unseres Gehirns, dem limbischen System:

  • Wenn wir zum Beispiel neue Fähigkeiten und Verhaltensmuster erlernen, wird zunächst die Großhirnrinde aktiv. Dort sitzt die Zentrale für unser bewusstes Tun, was man auch am Computertomographen wunderbar beobachten kann.
  • Je mehr wir diese aber üben und dabei erfolgreich sind, desto mehr verselbstständigt sich dieser Prozess und die Hirnsignale wandern immer tiefer ins Hirninnere – bis sie sich schließlich als Routine im limbischen System festsetzt haben.

95 Prozent unserer täglichen Entscheidungen erreichen unser Bewusstsein gar nicht, hat einmal der Harvard-Professor Gerald Zaltman herausgefunden. Wir treffen sie praktisch um auf Autopilot.

Deshalb bringt es auch nichts, im Job mit Appellen und Aufklärung Routinen zu Leibe zu rücken. Sparpläne und Modernisierungsprogramme können noch so überzeugend sein, unser gewohntes Verhalten erreichen Argumente nicht – es entzieht sich schlicht unserem Verstand.

Um Routinen ändern zu können, muss man also zunächst verstehen, aus welchen Elementen sie sich zusammensetzen und wie Gewohnheiten funktionieren. Der Autor Charles Duhigg („The Power of Habit“) hat das einmal so zusammengefasst: Eine Gewohnheit – ob gut oder schlecht – besteht aus drei Bestandteilen:

  • Lust: Warum Sie überhaupt zur Zigarette greifen
  • Routine: Kippe nach dem Aufwachen, nach dem Mittagessen, …
  • Belohnung: Sie fühlen sich entspannt.

Dabei stellen Lust und Belohnung die stärksten Fesseln dar.

Die Routine allerdings auch. Versuchen Sie dazu doch bitte folgendes Selbstexperiment:

Falten Sie Ihre Hände wie zum Gebet, die Finger ineinander verschränkt, die Daumen übereinander. Und jetzt wechseln Sie bitte nur mal die Position Ihrer Daumen, sodass der üblicherweise untere zuoberst liegt.

Wie fühlt sich das an: ungewohnt? Unangenehm? Unerträglich?

Die US-Psychologin Dawna Markova hat herausgefunden, dass Menschen allein rund zwei Wochen brauchen, um sich nur an eine solch simple Haltung neu zu gewöhnen. Bis dahin feuert das Gehirn unablässig Alarmsignale ans Bewusstsein: Alarm! Hier stimmt was nicht.

Und das nur, weil zwei Daumen nicht wie sonst übereinander liegen. Man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert, wenn wir uns deutlich gewichtigere Routinen abgewöhnen wollen…

So konnte etwa der Psychologe Jeff Stone von der Universität von Arizona in Tucson nachweisen, dass Leute, die den Nutzen von Sonnencremes zum Schutz vor Hautkrebs öffentlich priesen, diese auch selber gewissenhaft einsetzten.

Damit dieser psychologische Trick jedoch funktioniert, sind zwei Dinge essenziell:

  • Die Menschen müssen glauben, dass ihre Botschaft (ihr Vorsatz, ihr Zweck) wirklich wichtig und richtig ist
  • Sie müssen spüren, dass ihre Heuchelei negative soziale Auswirkungen haben könnte. Andernfalls ist es ihnen ziemlich schnuppe.

Für den Alltag heißt das: Der Wandel gelingt nur in kleinen Schritten, aus denen neue Gewohnheiten werden müssen. Die schlechten kriegt man weg, indem man sie durch andere, bessere verdrängt. Ist der erste Schritt aber erst gemacht, folgen weitere meist von ganz allein.

Das bestätigen auch Studien des US-Psychologe Roy Baumeister: In seinem Experiment wollte er, dass seine Studenten künftig gesünder lebten. Doch statt lange Vorträge über gesunde Ernährung zu halten, ließ er sie lediglich zwei Monate lang Hanteln stemmen.

Effekt: Die Teilnehmer waren danach nicht nur fitter, sondern aßen auch gesünder, tranken weniger Alkohol, studierten gewissenhafter und räumten zu Hause sogar häufiger auf. Wer einmal angefangen hatte, bewusst auf nur eine Gewohnheit zu achten, achtete auch auf sein restliches Verhalten.

Natürlich gibt es auch ein paar Punkte, die uns im Wege stehen und uns daran hindern können, Gewohnheiten abzulegen:

1.    Unbekannte Auslöser.

Jede Gewohnheit basiert letztlich auf einem oder mehreren Auslösern – Stress etwa, Langeweile,  Liebeskummer oder Jobfrust. Bleiben diese unerkannt und unbehandelt, leben Sie in permanentem Kampf mit diesen Versuchungen.

2.    Falsche Motivation.

Um Routinen zu durchbrechen, brauchen Sie Disziplin. Die aber ist abhängig von Ihrer Motivation. Warum also wollen Sie sich diese Sache abgewöhnen? Oder steckt etwas anderes dahinter? Nur wenn die Motivation stimmt, halten Sie auch durch.

3.    Zuviel auf einmal.

Über Jahre haben wir uns unsere Gewohnheiten (unbewusst) antrainiert, nun laufen Sie automatisch ab. Versuchen Sie nie, sich mehr als eine dieser Routinen auf einmal abzugewöhnen. Das gelingt nur selten. Konzentrieren Sie lieber alle Energien zunächst auf die eine lästige.

Denn tatsächlich brauchen wir, um alte Gewohnheiten abzulegen oder zu ändern, viel Geduld – und Zeit. Als die Psychologin Phillippa Lally vom University College in London, unserem Beharrungsvermögen nachforschte, um herauszufinden, wie schnell ein Mensch eine Gewohnheit erlernen kann, entwickelte sie folgendes Experiment:

  • Teilnehmer: 96, Durchschnittsalter: 27 Jahre
  • Dauer: 84 Tage
  • Aufbau: Alle Teilnehmer sollten sich eine neue gesunde Routine aneignen – täglich einen 15-minütigen Spaziergang zu absolvieren, 50 Sit-ups jeden Morgen oder mittags stets ein Stück Obst zu essen. Die Fortschritte wurden von den Probanden täglich auf der Webseite dazu protokolliert. Auch, wie bewusst sie diese neue Gewohnheit unternahmen oder wann der Ablauf bereits eingeübt und automatisch ablief.
  • Ergebnis: Die Phase vom bewussten Ausführen einer Tätigkeit bis zur automatisierten Gewohnheit betrug im Durchschnitt 66 Tage.

Das Ergebnis hat in der Wissenschaft für einiges Aufsehen gesorgt, da man bisher von einer weitaus kürzeren Zeit ausgegangen ist.

Ein weiteres, wenn auch weniger überraschendes Ergebnis der Studie ist, dass komplexe Gewohnheiten circa das 1,5-fache mehr an Zeit benötigen, um in Form von Automatismen überzugehen. Immerhin: Einen Tag damit aussetzen, hat kaum Auswirkungen auf den Lernprozess.

Wer sich also eine neue Gewohnheit aneignen will, darf auch mal ein, zwei Tage schlampen und kommt dennoch zum Ziel.

Quelle: http://www.xing-news.com/reader/news/articles/151153?newsletter_id=9806&xng_share_origin=email

Beste Grüße
Rainer Winter

#crestcoming

 

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