Unternehmenskultur: Gesunde Führung, gesundes Unternehmen, gesunde Mitarbeiter

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Mitarbeiter zu rekrutieren, ist die eine Sache. Aber was kommt nach dem Recruiting Erfolg? Eigentlich sollten Unternehmen dann alles an dieses eine Ziel setzen: Mitarbeiter binden. Die Voraussetzung dafür ist eine gute Unternehmenskultur. Doch die Realität sieht laut einer aktuellen Studie anders aus. Kaum die Hälfte der Arbeitnehmer fühlt sich beispielsweise von ihren Vorgesetzten wertgeschätzt. Nicht das einzige Ergebnis, das erschreckt. Denn die Untersuchung zeigt auch, wie stark sich eine schlechte Unternehmenskultur auf die Gesundheit der Mitarbeiter auswirken kann.

 

Toxische Führung macht krank

Erstmals ging das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) im jährlichen Fehlzeiten-Report 2016 der Frage nach, wie stark eine gute oder schlechte Unternehmenskultur die Gesundheit von Arbeitnehmern beeinträchtigen kann. Gesammelt wurden die Antworten von rund 2.007 Angestellten zwischen 16 und 65 Jahren.

Zur Debatte in punkto Unternehmenskultur standen Aspekte wie:

  • Personalführung
  • Mitarbeiterorientierung
  • Gerechte Bezahlung

Dabei kam heraus, dass Mitarbeitern vor allem die Loyalität des Arbeitgebers (78 Prozent) sowie Lob und Anerkennung ihrer Arbeit wichtig sind. 69 Prozent der Befragten wünschen sich explizit eine Kultur des Lobens.

 

Unternehmenskultur: Wichtig für die psychische Gesundheit

Doch offensichtlich ist das vielerorts reines Wunschdenken: Gerade einmal 55 Prozent der Beschäftigten empfinden tatsächlich, dass der Arbeitgeber hinter ihnen steht. Und nur die Hälfte der Beschäftigten erhält regelmäßig ernsthaftes Lob für gute Arbeit und gute Ergebnisse .

Die WIdO-Befragung brachte überdies zu Tage, dass Beschäftigte, die ihre Unternehmenskultur dauerhaft als schlecht empfinden, deutlich unzufriedener mit ihrer eigenen Gesundheit sind und häufiger über körperliche und psychische Beschwerden berichten.

 

Schlechte Unternehmenskultur fressen Psyche auf

So geht eine schlecht bewertete Unternehmenskultur bei 27,5 Prozent der Befragten mit gesundheitlicher Unzufriedenheit einher. Dieser Anteil ist dreimal so hoch als in der Vergleichsgruppe, die ihre Unternehmenskultur positiv wahrnimmt (8,9 Prozent).

Mehr als doppelt so häufig wird bei einer schlechten Unternehmenskultur über körperliche Beschwerden berichtet. Bei den psychischen Beschwerden gestaltet sich die Verhältnisse ähnlich.

Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Mitarbeiter selbst, sondern auch auf die Prozesse im Unternehmen. Wer seine Unternehmenskultur als negativ empfindet, fehlt häufiger als ein Arbeitnehmer, der diese positiv bewertet. Und das obwohl Beschäftigte in Unternehmen mit einer schlechten Unternehmenskultur sogar häufiger dazu neigen, im Krankheitsfall entgegen ärztlichem Rat zur Arbeit zu gehen.

 

Anzahl Psychologischer Erkrankungen steigt

Für Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Reports, steht außer Frage, dass Unternehmen auf diese Ergebnisse reagieren und dringend nachjustieren sollten. In Zeiten, in denen die Arbeitswelt zunehmend um gute Fachkräfte konkurriere, werde eine positive Unternehmenskultur zum entscheidenden Erfolgsfaktor:

“Mitarbeiter werden langfristig an ein Unternehmen gebunden und deren Gesundheit und Leistungsfähigkeit gefördert. Eine gute Unternehmenskultur kann darüber hinaus ein entscheidender Vorteil im Wettbewerb um Absatzmärkte und Kunden sein oder auch das gesellschaftliche Ansehen des Unternehmens positiv beeinflussen.”

Alarmieren sollte auch, dass unabhängig von der Unternehmenskultur die Fehltage der Arbeitnehmer aufgrund psychischer Erkrankungen konstant weiter zugenommen haben. Inzwischen geht jeder zehnte Fehltag (10,5 Prozent) auf das Konto psychologischer Probleme.

Durchschnittlich fehlten Arbeitnehmer im vergangenen Jahr 2,8 Tage aufgrund einer psychischen Erkrankung und damit 0,1 Tage mehr als noch im Jahr 2014. Seit 2004 haben die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen damit um satte 72 Prozent zugenommen. Auffällig sind auch die Ausfallzeiten bei psychischen Erkrankungen, die 2015 mit im Schnitt 25,6 Tagen je Fall mehr als doppelt so lange dauerten als der Durchschnitt mit 11,6 Tagen.

 

Toxische Führung: Der Tod der Unternehmenskultur  

Es besteht Handlungsbedarf, konstatiert auch Professor Bernhard Badura von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld und Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports. Am entscheidenden Dreh- und Angelpunkt für eine Neuausrichtung des Unternehmens sitzen die Personalverantwortlichen:

Führungskräfte prägen die Unternehmenskultur entweder in Richtung einer Kultur der Angst und des Misstrauens oder aber in Richtung einer Kultur vertrauensvoller Kooperation. Führung und Kultur sind zwei Seiten einer Medaille. Mitarbeiter sind keine arbeitsunwilligen Mängelwesen oder bloße Kostenfaktoren – so eine heute immer noch verbreitete Auffassung –, sondern die zentrale Quelle der Wertschöpfung. Es kommt nicht nur auf die Ergebnisse an, sondern darauf, mit welchen biopsychosozialen Kosten wie Schlafstörungen, Erschöpfung, Ängsten oder Hilflosigkeitsgefühlen sie zustande kommen.”

Fakt sei: Fehlzeiten und krankheitsbedingte Leistungsbeeinträchtigungen erzeugen zwischen zehn und 15 Prozent überflüssiger und vermeidbarer Personalkosten. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, der dazu beitrage, sei die digitale Revolution, die den “Trend in Richtung Kopfarbeitergesellschaft” verstärke.  Hier gehen hochqualifizierte Menschen ihren zunehmend selbstorganisierten Tätigkeiten mit viel Sozialkompetenz, Teamgeist und Bereitschaft zu flexibler Anpassung nach, so Badura.

 

Digitalisierung: Gift für die Unternehmenskultur?

“Damit einher geht ein zunehmend hoher Verbrauch an psychischer Energie für Problemlösung, Gefühlsregulierung und gelingende Kooperation. Jahrtausende lang haderten Menschen mit den Grenzen ihrer physischen Kräfte. Im 21. Jahrhundert werden sie mit den Grenzen ihrer psychischen Kräfte konfrontiert.”

Wer diese überschreitet, hat mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu kämpfen:  allgemeine Müdigkeit, Mattigkeit und Erschöpfung, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Nacken- und Rückenbeschwerden, um nur ein paar zu nennen.

Welche Weichen müssen Unternehmen stellen, damit sie und ihre Mitarbeiter gut für die Zukunft gerüstet sind? Badura sagt dazu: Ein Unternehmen 4.0 braucht auch eine Unternehmenskultur 4.0.

Darunter versteht er vor allem folgende Aspekte:

1. Eine Kongruenz zwischen persönlichen und betrieblichen Werten ist entscheidend für die Akzeptanz der Unternehmenskultur, für Gesundheit und Betriebserfolg

2. Eine höhere Organisationsbindung fördert die psychische Gesundheit und das Qualitätsbewusstsein

3. Eine positive emotionale Bindung der Mitarbeiter hat besondere Bedeutung für ihre Gesundheit, mehr als Pflichtgefühl

4. Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben steht ganz oben auf der Wunschliste junger Nachwuchskräfte

Quelle:http://stellenpakete.de/unternehmenskultur-fehlzeiten/

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